Von der Schwangerschaft bis zum Erwachsensein
Am Anfang war das Ei... Oder doch das Huhn? Diese Frage ist bis heute nicht geklärt; und wird sie vermutlich auch nie. Was wir jedoch aus Jahrmillionen menschlicher Evolution inzwischen sicher wissen, ist, dass für die Entstehung menschlichen Lebens eine befruchtete (Ei)Zelle notwendig ist, die sich im Rahmen komplexer biochemischer Prozesse unzählige Male teilen, erneuern, entwickeln muss, um im Verlaufe der mütterlichen Schwangerschaft zu einem lebensfähigen und gesunden menschlichen Wesen heranwachsen zu können. Dazu ist das hormonelle, mentale und emotionale Gleichgewicht der Mutter von entscheidender Bedeutung: Jede kleine, andauernde Störung durch zu viel Stress, eine unausgewogene, unnatürliche Ernährung, zu viel Zucker, Fettleibigkeit, Magersucht, Alkohol, Drogen, Medikamente, psychische Belastungen etc. können, je nach Entwicklungsstadium, zu einer Fehlgeburt oder zu gesundheitlichen Schäden von Körper, Geist und Psyche ihres ungeborenen Kindes führen (AD(H)S, Down-Syndrom, Autismus, fetales Alkoholsyndrom, Wachstums- und Entwicklungsverzögerungen, etc.). Erkennbar sind diese häufig jedoch erst bei der Geburt oder im Laufe des Heranwachsens. Ernährung, Verhalten, Stress, Erfahrung und soziokulturell bedingte Prägung unserer Eltern sowie unserer engsten Bezugspersonen bestimmen demnach wesentlich - jedoch nicht in jedem Fall abschließend und unveränderbar-,
- wie wir nach der Geburt als Baby, als Kind auf die Welt und unser gesamtes, weiteres Leben vorbereitet werden,
- wer sind wir,
- über die Entwicklung unserer Fähigkeiten und Fertigkeiten,
- warum tun wir, was wir tun,
- wieso wir uns auf die eine oder andere Art und Weise verhalten und
- was uns auszeichnet.
Sowohl (Kindheits)Traumata wie
- körperliche und/oder emotionale Vernachlässigung/Gewalt,
- Nahrungs-/Wasserentzug,
- sexueller Missbrauch,
- Vergewaltigung,
- körperliche Misshandlung (Schläge/Prügel),
- Ausnutzen als "Arbeitskraft",
- emotionale Erpressung, etc. als auch ein
überängstliches, überfürsorgliches, "in Watte packendes", "grenzenloses" (Erziehungs)Verhalten sowie ein Mangel an Verantwortungsgefühl der engsten Bezugspersonen hat wesentlichen, zumeist negativen Einfluss auf ein heranwachsendes Kind, auf dessen Ur- und Selbstvertrauen, sein Selbstbild, sein Ich, sein Vertrauen in die Welt.
Die ersten sieben Lebensjahre sind dabei entscheidend: In dieser Zeit entwickeln sich unzählige neuronale Gehirnstrukturen und -verbindungen und bauen sich, nach dem Grundsatz "Use it or loose it.", auch wieder ab. Dazu hier mehr.
Die Konsequenzen fehlenden Verantwortungsgefühls und eines ungesunden (Erziehungs)Verhaltens der Eltern bzw. engsten Bezugspersonen sind, dass nicht nur der Explorationsdrang ("Ich will die Welt erleben, kennenlernen und so viele Erfahrungen wie möglich sammeln."), sondern auch Fantasie, Kreativität, emotionale Selbstregulation, Konzentrations- und Merkfähigkeit, das Erkennen/Einordnen von Gefahren, Bindungsfähigkeit, Konfliktfähigkeit sowie die motorischen/konditionellen/kommunikativen Fähigkeiten eines Kindes nachhaltig, langfristig oder gar lebenslang negativ beeinträchtigt werden (können).
Ein Kind traut sich ggf. nicht mehr in die Welt hinaus, kommt nicht zur Ruhe, wird schnell wütend oder gar aggressiv; entwickelt ein ungesundes Nähe-Distanz-Verhalten, d. h. es begibt sich in (toxische) Abhängigkeiten (z. B. neigt ein Kind eher dazu, unbedarft mit Fremden mitzugehen) oder ist derart misstrauisch, dass es niemanden oder nur (noch) sehr wenige Menschen an sich heranlässt. Dies wird nicht nur in Kindergarten und Schule problematisch, sondern hat weitreichende Auswirkungen auf den gesamten Lebensverlauf eines jungen Menschen: Auf den Aufbau von Freundschaften, die Zusammenarbeit mit (fremden) Kollegen und Vorgesetzten, das Eingehen einer liebe- und vertrauensvollen Partnerschaft sowie seine Bereitschaft, sich für das gesamtgesell-schaftliche Zusammenleben zu engagieren.
Ein eigen- und selbstbestimmtes, verantwortungsbewusstes Leben sowie das Arbeiten inmitten unserer gesellschaftlichen Normen, Regeln und Strukturen ohne (kontinuierliche) Unterstützung wird für ein Kind mit jedem Tag, den es unter solchen Bedingungen aufwächst, kontinuierlich schwieriger oder gar unmöglich. Häufig sind mit steigendem Alter psychosomatische Erkrankungen sowie Arbeitslosigkeit, Alkoholsucht, Angst-/Zwangsstörungen, selbstverletzendes Verhalten o. Ä. die Konsequenz, sofern ein Kind nicht frühzeitig professionelle Hilfe bzw. Unterstützung außerhalb der "Kernfamilie" erfährt und/oder aus jenen Lebensumständen, möglichst noch im Kindesalter, herausgeholt und geschützt wird.
Auch der Konsum illegaler Drogen, Kriminalität, eine antisemitische, rassistische Weltanschauung, die Angliederung an extremistische/terroristische Strukturen/Vereine/Gruppierungen sowie das Fortsetzen/Nachahmen des erlebten Verhaltens können Folgen jener Kindheitserfahrungen und "Erziehung" sein, die letztlich über das Leben des (jungen) Menschen hinaus das Zusammenleben ganzer Gesellschaften nachhaltig und langfristig negativ beeinträchtigt.
FAZIT: Schwangerschaft, Geburt und Kindheit bilden die Basis für Persönlichkeit und Leben eines Kindes. Ein Kind braucht Eltern, die sich ihrer Verantwortung für sich selbst und ihr(e) Kind(er) bewusst sind, die die Bedürfnisse ihres/ihrer Kindes/Kinder kennen, erfüllen und ihm/ihnen bedingungslosen Rückhalt, Schutz, Sicherheit, Stabilität und emotionale Zuwendung zuteil werden lassen. Nur auf diese Weise entwickelt ein Kind das (Ur)Vertrauen, das es braucht, um sich und die Welt aus eigener, intrinsischer Motivation, ohne Angst entdecken zu wollen und um mit liebevoller, konsequenter, gewaltfreier Erziehung auf ein eigenständiges, selbstbestimmtes, gesundheitsorientiertes Leben im Einklang und Frieden mit Mensch, Tier und Natur vorbereitet zu werden.